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Die Sammlungen - Orient

Mantelverschluß Silber mit Karneolen Teke, Turkmenistan 1967 Sammlung Dieke Foto: Ingrid Hänse
Mantelverschluß Silber mit Karneolen Teke, Turkmenistan 1967 Sammlung Dieke
Foto: Ingrid Hänse
Spiegelkasten aus Pappmachè mit Lackmalerei Vorderseite: Rose und Nachtigallen Innenseite: Sitzender Jüngling mit Apfel L: 11,5 cm; B: 7,3 cm Iran um 1890 Sammlung Walter Philipp Schulz Foto: Karin Wieckhorst
Spiegelkasten aus Pappmachè mit Lackmalerei Vorderseite: Rose und Nachtigallen Innenseite: Sitzender Jüngling mit Apfel L: 11,5 cm; B: 7,3 cm Iran um 1890 Sammlung Walter Philipp Schulz,
Foto: Karin Wieckhorst
Friedenshand - Schmuckanhänger einer maghrebinischen Lampe MVL 100 Foto: Ingrid Hänse
Friedenshand - Schmuckanhänger einer maghrebinischen Lampe,
Foto: Ingrid Hänse

Ihr Entstehen geht auf den ersten Direktor des Museums, Dr. Hermann Obst, zurück, der 1881 im Anschluss an einen anthropologischen Kongress in Tiflis nach Transkaspien reiste und bei den Turkmenen sammelte.

Die größte Teilsammlung erhielt das MVL 1901 von einem Leipziger: Philipp Walter Schulz hatte zwischen 1897 und 1899 weite Teile des westlichen Iran besucht und eine mehr als 900 Einzelobjekte umfassende Sammlung von kunsthandwerklichen Gegenständen zusammengetragen, die nicht nur die Entwicklung des iranischen Kunsthandwerks seit safawidischer Zeit, sondern vor allem auch den Alltag des städtischen Bürgertums an der Schwelle des 20. Jh. deutlich macht.

Bis in die beginnenden 1930er Jahre konnte das Museum seinen Orient-Bestand kontinuierlich erweitern. Aus dieser Zeit stammen die Marokko-Sammlung von R. Zabel, die Algerien-Sammlung von M. A. van Gennep sowie die Sammlung des Museumsmitarbeiters Paul Germann, der 1913/14 in der Expedition von Leo Frobenius mehrere Oasen der nördlichen Sahara (Taghit, Figuig) und die Kabylei bereist hatte. Von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung war eine von Theodor Menzel angelegte Derwisch-Sammlung aus der Türkei.

Im Jahr 1943 erlitten auch die Orient-Sammlungen des Museums durch die Bombardierung des Hauses unersetzliche Verluste. Die gesamte Turkmenen-Sammlung von Hermann Obst, die bedeutende Derwisch-Sammlung aus der Türkei sowie eine Kollektion, die die unterschiedlichen religiösen Gruppen Palästinas zu Beginn des 20.Jh. repräsentierte, wurden vernichtet.

Der Verlust an turkmenischen Ethnographica konnte nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig ersetzt werden, als den langjährigen Direktor des Museums, Dr. Wolfgang König, Forschungsaufenthalte wiederholt zu den Turkmenen führten. Mit seiner Sammlung traditioneller Alltagskultur sowie mit seinen Forschungen über die Teke und die Besonderheiten des turkmenischen Nomadismus trug König dazu bei, dass das Museum den Ruf eines Zentrums der Turkmenen- und ganz besonders der Nomadismusforschung erhielt. Diesen Ruf festigte der spätere Direktor des Museums, Dr. Lothar Stein, bei dem die Kultur der Beduinen im Mittelpunkt des Forschens und Sammelns stand. Von Lothar Stein, der nach W. König die Leitung des Museums übernahm, wurden interessante Ethnographica aus dem Irak (von den Šammar-Beduinen), aus Ägypten (insbesondere aus der Oase Siwa) und aus dem Jemen (vor allem von der Insel Sokotra) nach Leipzig gebracht. Eine weitere große Sammlung kam durch die Zusammenarbeit mit dem Libyan Studies Center aus Libyen ins Museum. In den 1990er Jahren konnte erneut eine bedeutende Sammlung eines Leipzigers angekauft werden. Der Landschaftsmaler Gerd Thielemann hatte sich, ähnlich wie Walter Philipp Schulz, auf seinen Reisen so für usbekische und tadschikische Volkskunst, vor allem Keramik, begeistert, dass er zu sammeln, zu suchen und zu dokumentieren begann.


Ansprechpartnerin:

Dipl. Ethn. Marita Andó
Tel. 0341/9731-914
marita.ando@ses.museum